#1 Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von Zu Zweit 27.03.2014 12:40

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Hintergrundinformation

Seit Ende Februar d. J. habe ich die Neuerscheinung X-T1 von Fujifilm mit dem Standardzoom Fujinon XF 18-55mm F2.8-4.0 R LM OIS im Gebrauch. Wer mit „X’en“ bereits fotografiert hat, wird sich schnell eingewöhnen, da die Systematik z. B. in der Menüführung vertraut ist. Mit der X100 (Festbrennweite 23mm F2.0) bin ich im Mai 2011 nach diversen Spiegelreflex-Kameras in die faszinierende Welt der X’en eingestiegen. Ich war beeindruckt und fasziniert von der neuen Fuji X-Technologie. Die X100 wurde im März 2013 von mir durch die technologisch weiterentwickelte X100S ersetzt. Sie ist eine hervorragende kompakte Kamera, die in Freizeitjackentaschen für „immer dabei“ Platz findet. Mit ihrem lautlosen Zentralverschluss ist sie ausgesprochen dezent. Die Festbrennweite hat bekanntermaßen ihre Einschränkungen. Da wir zu Zweit als begeisterte Hobbyfotografen unterwegs sind, hat meine Frau mit der kompakten X10, später X20 bisher das Zoom-Feld abgedeckt. Allerdings reicht die Abbildungsleistung dieser kleinen Kompakten logischerweise nicht an diejenige eines APS-C Sensors heran.

Da Fujifilm eine sensationelle Produktentwicklung betreibt, wurde unser Interesse bei Neuankündigungen immer wieder geweckt – bis ich bei der wetterfesten X-T1 wieder zugeschlagen habe! Zumal auch ein sehr interessantes wetterfestes Zoomobjektiv angekündigt wurde – das Fujinon XF 16-55mm F2.8 R OIS WB! Meine Frau hat die Festbrennweite 23mm der X100S inzwischen für sich entdeckt.


Praxiserfahrung

Ich möchte mich nicht über technische Einzelheiten auslassen. Die Vielzahl der Fachbeiträge zur X-T1 im Internet übertrifft mittlerweile die Anzahl derjenigen beim Erscheinen der X100 im Mai 2011 . Daher möchte ich mich nachfolgend auf meine frisch erworbenen Praxis-Eindrücke mit der X-T1 beschränken. Als Hobbyfotograf zählt für mich als erstes die Bildqualität sowie die Praxistauglichkeit und das Handling einer Kamera.

Nach einigen Tests mit der X-T1 stand das erste Fotoprojekt bei „Blende-8-Wetter“ in der zweiten Märzwoche d. J. an. Diese Reisezeit hat den Vorteil, dass das Licht zum Fotografieren gut geeignet ist. Die Bäume sind noch ohne Laub, wodurch keine unerwünschten Motivabdeckungen z. B. bei Gebäuden gegeben sind. Touristenströme halten sich in Grenzen und die Einheimischen sind gerne gesprächsbereit.
Kurz entschlossen haben wir im Harz eine dreitägige Vierstädtefahrt „Goslar, Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode“ unternommen.
Auf der Fotoreise habe ich 300 JPEG-Bilder in Provia mit der X-T1 mit dem Kit-Zoom aufgenommen. Davon sind 220 Bilder (73%) ausgewählt worden, die wir verschiedenartig für uns als Erinnerungswert aufbereitet haben. Die Profis werden über die geringe Anzahl der Bilder wahrscheinlich schmunzeln? Es ist der Versuch, die Bilderflut einzudämmen, was u.a. aus dem Erziehungseffekt der Festbrennweite der X100 resultiert. Die Fotoreise umfasste im Wesentlichen folgende Motivgruppen, bei unterschiedlichsten Lichtverhältnissen aufgenommen:
Architektur, Innenaufnahmen in Kirchen, Einzelobjekte z. B. Skulpturen, Street und Stadtansichten.
Die Bilder, die meine Frau mit der X100S gemacht hat, wurden in die Bildreihe integriert. Wir haben langjährige Erfahrung mit dem Fotografieren zu Zweit. Teilweise hat meine Frau mich beim Shooting herangerufen:„Bitte mach Du die Aufnahme, die 23mm Brennweite der X100S kann das Motiv nicht erfassen“. Unsere Kameras haben keinerlei Ausschuss produziert (z. B. durch Verwacklungsfehler, Unschärfe, Bildrauschen, Belichtungsfehler).

Für mich war das Fotografieren mit der X-T1 Combo in der Praxis traumhaft. Sie hat mir große Freude bereitet, obwohl ich von der X100S schon sehr verwöhnt war. Die Haptik der X-T1 ist für mich besser als bei allen X’en, die ich bisher in meinen Händen hielt. Einen zusätzlichen Handgriff für die X-T1 mit dem Standardzoom benötige ich nicht, da meine Hände nicht sehr groß und die Finger schlank sind. Deshalb habe ich auch keine Schwierigkeiten, die für mich ergonomisch gut angeordneten Tasten und Wahlräder während des Fotografierens zu bedienen. Ich bemängle allerdings die wetterfesten kleinen Bedientasten ohne Schaltpunktwiderstand. Wer die Lage der Tasten z. B. auf der Kamerarückseite mit den unterschiedlichen Funktionen nicht im Kopf hat, der hat schlechte Reaktionszeiten beim Fotografieren zu erwarten. Hier hilft mal ein zusätzliches „Griffe kloppen im Dunkeln“.

Der elektronische Sucher der X-T1 ist bei ausreichendem Licht grandios – hierüber wurde schon viel begeistert berichtet. Bei nahezu vollkommener Dunkelheit ist er quasi als „Nachtsichtgerät“ nutzbar, wobei im Sucher ein gewisses Farbrauschen eintritt, aber alle Kamera-Einstellinformationen klar erkennbar sind. In Verbindung mit der hervorragenden Lowlight-Fähigkeit der X-T1 ist das ein tolles Fotografier-Erlebnis. Das unter teilweise extrem schwierigen Lichtverhältnissen (z.B. in dunklen Kirchen) entstandene Bild überrascht und lässt einen staunen. Es sei in diesem Zusammenhang angemerkt, dass optische Sucher bei wenig Licht relativ früh „passen“ müssen, weil für die Bildgestaltung keine ausreichenden Konturen im Sucher erkennbar werden - dies trifft auch für den sehr guten optischen Sucher der X100S zu. Der Hybridsucher der X100S fehlt mir nicht – auch meine Frau nutzt nur den elektronischen Sucher der X100S, der jedoch in der Leistung nicht an den Sucher der X-T1 heranreicht.

Eine weitere Funktion des Suchers der X-T1 ist noch hervorzuheben: der Sucher kann so eingestellt werden, dass er sich erst über den Augensensor einschaltet, Display bleibt in dieser Einstellung aus, so dass kein Licht von der Kamera ausgeht, wenn sie vom Auge abgesetzt wird. Sie ist dadurch mit geringem Energieaufwand ständig in Bereitschaft. Diese Funktion ist z. B. im Theater, Museum, Konzert und bei Tieraufnahmen im ersten (oder letzten) Tageslicht sehr nützlich. Das wahrnehmbare Geräusch (kein Klirren) vom Schlitzverschluss der X-T1 hält sich mit tieferer Frequenz angenehm in Grenzen.

Das Klappdisplay nutze ich gerne. Es eröffnet neue und interessante Blickwinkel in der Fotografie. Die Makro-Einstellung hat sich für mich noch nicht ganz erschlossen – es geht auch ohne Makro.

Ich benötige nur eine kleine leichte Tasche (Mirrorless Mover 20 von thinkTank) über der Schulter mit Platz für die X-T1 mit aufgesetztem Standardzoom und möglicherweise einem zusätzlichen Objektiv. Auf der Fototour war die Tasche mit Inhalt nicht beschwerend. Mit der Bildqualität der X-T1 in Verbindung mit dem Fujinon XF 18-55mm F2.8-4.0 R LM OIS bin ich sehr zufrieden. Unterschiede zur X100S habe ich dabei nicht festgestellt, was bei ähnlicher Kameratechnologie nicht verwunderlich ist. Während der Fototour im Harz gab es keinerlei Defizite in der Handhabung. Die schnelle Zugriffsmöglichkeit auf div. Funktionen ohne ins Menü gehen zu müssen, erleichtern das Fotografieren erheblich. Dies wird zusätzlich zur Q-Taste (Schnellmenü) durch Wahlräder und sechs freibelegbare Fn-Tasten für schnellen Zugriff ermöglicht. Verglichen mit der X100S ist die X-T1 sehr, sehr schnell und für mein Einsatzspektrum schnappschusstauglich. Besonders muss erwähnt werden, dass die AF-Treffsicherheit auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen sehr gut ist.

Eine Analyse der 220 Auswahlbilder ergab folgendes Brennweiten-Spektrum von 18 bis 55 mm:

18 mm = 41 %

19-37mm = 32 %

38-54mm = 12 %

55 mm = 15 %


Die Analyse zeigt im Ergebnis, daß es richtig war, auf dieser Städte-Fotoreise das für gute Bildqualität bekannte Zoom-Objektiv Fujinon XF 18-55mm F2.8-4.0 R LM OIS an der X-T1 einzusetzen. Der hohe Anteil der Anfangsbrennweite von 18mm in der Analyse hat mich etwas überrascht. Hier liegt der Schluss für mich nahe, dass ein entsprechend leichtes Weitwinkelobjektiv zusätzlich zu dem von mir mit Spannung erwarteten wetterfesten und sehr wahrscheinlich schwereren Zoom-Objektiv mit durchgehender Lichtstärke zum Einsatz kommen wird. Abmessungen und Gewicht der X-T1 mit dem Pancake Type XF 18mm F2.0 R entsprechen dann fast denen der X100S – also „freizeittaschentauglich“.

Fujifilm hat mit der X-T1 eine technologisch hochwertige wetterfeste Systemkamera mit APS-C Sensor in kompakter Form für ambitionierte Enthusiasten auf den Markt gebracht. Es macht Freude, ihre ausgefeilte Technik für sich zu erobern und damit zu fotografieren! Eine kleine Bilderserie zur Harzreise wird demnächst unter „Reisen“ hier im Forum von uns eingestellt.

Grüße Gert

#2 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von 27.03.2014 12:52

Das ist ein sehr feiner Bericht – voll der Freude und ohne Übertreibungen – geworden, Gert!

Vielen Dank dafür.

Die Brennweitenanalyse könnte natürlich sehr von Eurer aktuellen Motivsituation beeinflußt sein (Architketur in alten Gassen/Gebäuden verlangt naturgemäß nach weiten Winkeln), aber wohl auch ein wenig Deiner persönlichen Seh-Tradition durch lange X100s-Nutzung geschuldet sein, vermute ich.
MICH würde natürlich besonders interessieren, wie sich die Kamera hinsichtlich fliegender Piepmätze verhält (bzw. nutzen läßt), aber trotz „Vogelherd“ in Quedlinburg habt Ihr solche Motive vermutlich seltener in den Sucher gefaßt?

#3 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von Zu Zweit 27.03.2014 17:04

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@Jenso

Hallo Jens,
in der Tat sind unsere Schwerpunkte eher geerdet, als luftig...
Soweit uns bekannt, hat Fujifilm auch ein wetterfestes Superzoom in der Planung. Sie benötigen aber laut FujiRumors mit den WR Zoom-Objektiven noch ein wenig Zeit. Allerdings kannst Du jede Menge Fremdobjektive an die X-T1 adaptieren. Der AF ist schnell – auch in der Verfolgung von „fliegenden Himmelskörpern“. Wie sich das mit dem Altglas verhält, müßte man ausprobieren.

Grüße und Salut
Gert und Uki

#4 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von Zu Zweit 28.03.2014 11:27

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Zitat von Jenso im Beitrag #2

... „Vogelherd“ in Quedlinburg ...


Du meinst ganz sicher den "Finkenherd" - hier soll der Legende nach Heinrich I., dem Vogler, die Königswürde angetragen worden sein



Grüße und Salut
Gert und Uki

#5 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von Zu Zweit 28.03.2014 11:36

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Die versprochene Foto-Serie zu unserer Harzreise ist nun auch fertig: Harzreise im März 2014 mit Fujifilm X-T1 und X100S

Grüße und Salut
Gert und Uki

#6 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von 28.03.2014 12:42

Hallo, Ihr 2wei!

Natürlich meinte ich die Örtlichkeit namens „Finkenherd“ – das Lied spricht aber allgemeiner davon, daß der Herzog am „Vogelherd“ saß, als ihm die frohe Botschaft zugetragen wurde.

„1. Herr Heinrich saß am Vogelherd,
Recht froh und wohlgemut;
Aus tausend Perlen blinkt und blitzt
Der Morgenröte Glut.“

#7 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von Lithographin 28.03.2014 17:21

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Die Kameras sind zwar außerhalb jeder Reichweite für mich, aber ich muß sagen das mir Eure Infos sehr gut gefallen.
Locker geschrieben, informativ und ohne den üblichen Techniküberhang.

Super gemacht Ihr Zwei !

#8 RE: Von der X100 zur X-T1 - Erste Praxiseindrücke von Gerd123 07.05.2014 13:44

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Hallo Gert,

danke für den, für mich, sehr informativen Bericht.

Ich recherchiere im Augenblick relativ viel über Fuji.
Das war für mich in der Vergangenheit die beste Kompaktknipse die ich je hatte.
Was heißt hier eigentlich hatte...die steht noch in meiner Vitrine "MX 1700 Zoom".
Erstklassige Bilder. Leider nur maximal 1,5 MP und damit keine Detailausschnitte möglich.

Nun ja, schaun wir mal....mich plagt da tatsächlich ein chen

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