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#1 im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Bmeise 07.04.2013 18:50

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Gestern vor einer Woche haben wir das jüdische Museum in Berlin besucht;
obwohl wir 1-2 mal pro Jahr für jew. ein paar Tage in Berlin sind kannten wir dieses sehr beeindruckende Museum noch nicht.

Es gab gerade eine Sonderausstellung - und daran scheiden sich die Geister…

da ich hier >>>> heute ist Schabbat schon mal ein Foto daraus gezeigt habe möchte ich nun noch ein paar weitere anfügen.
Ich habe nur sehr wenig fotografiert - einen kleinen Eindruck bekommt man aber vielleicht.

Diese Ausstellung spielt mit den typischen Klischees, will mehr Fragen stellen als beantworten - bleibt aber, ich wie wir fanden, selbst in pädagogischen Klischees hängen, bedient offensichtlich den Mainstream der Mediengesellschaft…..
riesiger Aufwand - und fragwürdige Vermittlung.











hier sollte man eigene Fragen an pinnen - was eifrig gemacht wurde.....
ich habe geschrieben: bin ich blöd??



















Besonders "albern" fand ich dieses Arrangement: bereits an der Kasse bekam jeder 3 Jetons in die Hand gedrückt ….
auf die Frage, was es damit auf sich habe kam die Antwort: das werden Sie schon sehen….





und dann sollte man in diese Kästen seine Marken als "Stimme" verteilen…..

Es tut mir leid- aber ich finde das eine Verhohnepipelung der Besucher …. soll ich auf diese dämlichen Vorurteile reinfallen?
Also: da wo am wenigsten drin war habe ich meine reingeworfen: Juden sind tierlieb….
(witziger weise hatte mein Liebster das - ohne Absprache - genau so gemacht….)


was in dem Zeit-Artikel >>>>>>http://www.zeit.de/2012/14/A-Artgenossen
angesprochen wird konnte man vor Ort eigentlich allenfalls ahnen.
Es gibt auch einige gelungene Aspekte, interessante oder amüsante Videos etc.




Für jemanden ohne all zu viel Vorbildung allerdings bleibt wahrscheinlich eine allgemeine Verunsicherung
….. ich frage mich, ob das sinnvoll ist?
(dieses ist ein Museum mit internationalem Publikum, sehr vielen jungen Menschen)
….. aber es ist wirklich schwierig, näher darauf einzugehen, das bräuchte viel Zeitund wäre besser vor Ort zu diskutieren….

Das einzige "Vorurteil", das ich auch teile: dieses Thema ist immer noch ziemlich heikel - also kann ich nur jedem raten, sich selbst ein Bild davon zu machen....

#2 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Lithographin 07.04.2013 20:01

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Hallo Barbara !

Danke für Deinen Bericht der mich doch etwas nachdenklich stimmt.
Die Fragestellungen die ich hier jetzt gesehen habe gefallen mir auch nicht, zu unecht, zu sehr Medien, wie Du schon schreibst.

#3 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von zhimi01 07.04.2013 21:15

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Hallo Barbara, es war doch trotzdem ein Erfolg, so blöde konnten die Ausstellungsmacher garnicht sein.
Ein Erfolg ? Weshalb,du und einige andere,vielleicht mehr als man glaubt, haben sich mit den Themen auseinander gesetzt.
Ich weiß und sehe das ähnlich wie du,manchmal kommt man sich vera..., aber und nun kommt das aber, nach einiger Zeit kommt die Einsicht,dass man sich genau deshalb eingehend damit beschäftigt hat.Was eventuell bei einer guten,logischen Ausstellung nicht passieren würde,da man ja auch ähnlicher Meinung oder Ansicht ist.
Was denkst du? Ich finde deinen Bericht gut,denn nur Bilder würden wenig darüber aussagen.
grüße zhimi

#4 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Bmeise 07.04.2013 21:24

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Hallo, Zhimi,
natürlich ist eine Auseinandersetzung immer gut - mit welchem Ergebnis auch immer....

eine in meinen Augen bessere Ausstellung hätte nicht unbedingt "logischer" sein müssen......

(kritisieren geht immer einfacher, als selbst machen - aber mein Metier ist das ja auch nicht.)

Ich bleibe bei meier Hauptkritik: typisch für die Mediengesellschaft - Effekthascherei...... an stelle von ernsthafter Auseinandersetzung.....
Ich bin auch allergisch gegen die unheildräuende all zu schwergewichtige deutsche Art, aus allem ein Drama zu machen - aber das hier war mir doch etwas zu leichtgewichtig - der jüdische Humor (den es ja eindeutig gibt) könnte da mehr "Aha-Erlebnis" ausgelöst haben..... an statt ihn immer gleich wieder zu revidieren!

aber dabei soll es nun wirklich erst mal bleiben - denn was ich nicht fotografiert (aber gesehen und gelesen ) habe kann ich nun auch nicht noch alles aufzählen - das wäre für die Diskussion aber notwendig!

#5 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von grille_c 07.04.2013 21:38

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Ich habe ebenfalls schon eher zweifelhafte Berichte von einer geführten Synagogen- oder Museumstour vor einigen Jahren in Berlin gehört, die meine Eltern mitgemacht haben. Es ging dabei auch um Vorurteile und Fragen, die gestellt worden sind.
Scheint, als habe Berlin dazu ein eher spezielles Verhältnis. Besuch der Synagoge in Essen soll dagegen sehr gut gewesen sein.

#6 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Inaktive 08.04.2013 09:42

Zitat von Bmeise im Beitrag #4
Ich bleibe bei meier Hauptkritik: typisch für die Mediengesellschaft - Effekthascherei...... an stelle von ernsthafter Auseinandersetzung.....
Ich bin auch allergisch gegen die unheildräuende all zu schwergewichtige deutsche Art, aus allem ein Drama zu machen - aber das hier war mir doch etwas zu leichtgewichtig - der jüdische Humor (den es ja eindeutig gibt) könnte da mehr "Aha-Erlebnis" ausgelöst haben..... an statt ihn immer gleich wieder zu revidieren!

Sei mir bitte nicht böse, Barbara, aber wenn ich das hier so lese, dann ist das Konzept, der Ansatz, der hinter der Ausstellung steckt, gar nicht mal so schlecht ... Christen – egal welcher Couleur, vor allem die asketischen Protestanten mit ihrer Arbeitsethik "Do or die, Ihr BWLer", wohingegen die römischen Katholiken eher jenseitig-paradiesisch orientiert sind, Party geht da schon, aber bitteschön nach deren diesseitigen Regeln, obwohl: Ego te absolvo – sind ja tendenziell eher humorbefreit, weswegen ich z.B. nicht getauft bin, und 'ne jüdische Mutter habe ich auch nicht. Sprache konstituiert Wirklichkeit, wenn nicht gar das, was wir gemeinhin als konsensuelle Realität bezeichnen. Muss ich den hier ;) setzen?

#7 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Wahn 08.04.2013 12:09

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(Bild 3): Die Dame, sich an den Bildrahmen lehnend, der Kopf bildet mit denen des Bildes (es könnten die Eltern sein) eine Linie – wenn sie jetzt noch auf einen Bildrand gestellt wird, der dem des Bildes an der Wand ähnelt…
Bitte verzeih, ich konnte nicht anders und habe es mal so geschnitten und gerahmt (Die leichte Schiefe des Bildes macht sich hier gut!):



Ulrich

#8 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Bmeise 08.04.2013 12:19

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Danke, Ulrich - Dein Schnitt hat was, in diesem Fall samt Rahmen....
dieses Foto ist aber überhaupt das einzige aus dieser Serie, das ich auch einfach so des Fotos wegen gezeigt hätte - und ich finde: das goldenen Kalb macht sich auch nicht schlecht dazu.....

#9 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Bmeise 08.04.2013 12:28

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Zitat
=Perspektivo|p50268
Sei mir bitte nicht böse, Barbara,


warum sollte ich?

Zitat

aber wenn ich das hier so lese, dann ist das Konzept, der Ansatz, der hinter der Ausstellung steckt, gar nicht mal so schlecht ... Christen – egal welcher Couleur, vor allem die asketischen Protestanten mit ihrer Arbeitsethik "Do or die, Ihr BWLer", wohingegen die römischen Katholiken eher jenseitig-paradiesisch orientiert sind, Party geht da schon, aber bitteschön nach deren diesseitigen Regeln, obwohl: Ego te absolvo – sind ja tendenziell eher humorbefreit, weswegen ich z.B. nicht getauft bin, und 'ne jüdische Mutter habe ich auch nicht. Sprache konstituiert Wirklichkeit, wenn nicht gar das, was wir gemeinhin als konsensuelle Realität bezeichnen. Muss ich den hier ;) setzen?


ja, den Smilie mußt Du!!!

wie schon geschrieben - da gab es noch sooo viel anderes, das zu meinem Gesamteindruck beiträgt.... und das ich wirklich nicht alles aufzählen möchte....
(hätte ich nur nicht damit angefangen - der andere Teil des Museums ist einer Diskussion wesentlich würdiger!!)
und die wenigen Menschen mit jüdisch-familiärem Hintergrund die ich in meinem Bekanntenkreis habe würden meine Meinung wahrscheinlich teilen (wenn ich sie gerade hier hätte und sie die Ausstellung gesehen hätten) - und die sind genau solche Banausen wie ich selbst allem Religiösen gegenüber.....
(mein Vater war schon Atheist - sogar einer meine Großväter...aber zum Glück mit viel Toleranz gesegnet (sic!!) - die ich, bilde ich mir ein, mitbekommen habe...)

#10 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von matadoerle 10.04.2013 11:08

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Eigentlich wollte ich zu dem Thema meine Klappe halten, aber jetzt muss es raus:

"Es gibt keine Deutschen! Es gibt keine Juden! Ergo gibt es auch keine Juden in Deutschland!!"

Alleine Wortwahl und Präsentation der wenigen von dir gezeigten Ausschnitte kochen in mir die Kotze hoch, vor so viel Ignoranz, Bessermenschensein und politischer Allgefälligkeit, diese Ansammlung von Bedeutungslosigkeit und Oberflächlichkeit.

Der Satz oben stammt von mir - und er ist aus dem Kontext gerissen sicherlich politisch inkorrekt. Ich habe aber weder Zeit noch Muße eine Ausstellung zu machen. Man unterhalte sich einmal mit Menschen jüdischen Galubens, man unterhalte sich einmal mit Menschen, die in einer jüdisch geprägten Kultur aufgewachsen sind. Man unterhalte sich mit Menschen, die jüdischer Herkunft sind.
Wenn man dabei etwas Glück hat, wird man sich mit Menschen unterhalten können, die in Deutschland aufgewachsen sind oder die hier freiwillig leben. Da wird man mit Menschen in Kontakt kommen, die einen deutschen Pass oder andere Ausweispapiere besitzen. Da gibt es einige, die die deutsche Sprache lieben.

Mir steht es nicht an - und ich werde mich auch nicht dazu herablassen - eine konkrete Form des Glaubensrealisimus zu kritisieren; jeder erwachsene Mensch ist selber dazu aufgerufen, seiner Überzeugung und auch seinem Nichtwissen eine Ausdrucksform zu geben. Und wenn man all diese Fragen unter diesen Vorzeichen betrachtet, dann gibt es weder Juden noch Deutsche! Es gibt nur immer noch welche, die es niemals kapieren werden ..

#11 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Inaktive 10.04.2013 11:24

Zitat von matadoerle im Beitrag #10
[...] jeder erwachsene Mensch ist selber dazu aufgerufen, seiner Überzeugung und auch seinem Nichtwissen eine Ausdrucksform zu geben. Und wenn man all diese Fragen unter diesen Vorzeichen betrachtet, dann gibt es weder Juden noch Deutsche! Es gibt nur immer noch welche, die es niemals kapieren werden ..

Was doch so eine zutiefst oberflächliche Ausstellung ohne Tiefgang alles bewirken kann ... :)

#12 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Lithographin 10.04.2013 11:27

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Hallo Thorsten !

Zuerst war ich ehrlich gesagt irritiert, aber ich denke ich weiß was Du meinst, und so würde es mir gefallen.

Ich selber sehe mich höchstens als Europäerin, wobei das kein Zugehörigkeitsgefühl zu irgend jemandem oder einer Volksgruppe ist, sondern lediglich der Kontinent auf dem ich nun mal lebe.
Aber was Du ansprichst ist illusorisch, weil die EU es ja nicht mal schafft einen vernünftigen Kontext für alle herzustellen die hier leben.

Und solang wir nicht bereit sind Mauern nieder zu reißen, anstatt sie sofort wieder aufzubauen wenn man mal ein Loch reinmacht, so lange wird es ein Traum bleiben.
Ich renne jeden Tag mit der Spitzhacke durch die Gegend, aber da könnte ich unserer Dackeldame auch die Relativitätstheorie verständlich machen, aber da hätte ich vielleicht mehr Glück.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und lege die verbale Spitzhacke nicht aus der Hand.
Einfach nur Menschen, ja, da würde mir gefallen.

#13 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von matadoerle 10.04.2013 11:37

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Hallo Cristina,
mir geht es gar nicht mehr um die politischen Mauern oder eine europäische Identität - wer davon träumt scheint zu vergessen, dass es bereits eine so einfache Frage wie die nach der deutschen oder jüdischen Identität mit ihren vielfältig richtigen Antworten so richtig in sich hat!

Wer ist denn ein Deutscher? Wer ist denn ein Jude?

Am ehesten gefällt mir da noch der Ansatz "der es von sich sagt" - aber auch der beinhaltet eine unfreiwillige Komik, weil derjenige ja nicht einmal sagen (oder gar wissen) muss, was er denn unter "deutsch" oder "jüdisch" versteht .. es gibt jüdische Synagogen und es gab Menschen, die mit einem Judenstern diskreditiert und der Diaspora überantwortet wurden. Es gibt Menschen, die erschlagen werden, weil man sie für "xyz" hält; es gibt andere, die werden verfolgt, weil sie von sich sagen "zyx" zu sein. Und es gibt Christen, die glauben, dass Christus von den Juden verraten und von den Römern gekreuzigt wurde. Es wird auch immer welche geben, die glauben sie seien etwas besseres, weil sie "xxx" oder "yyy" sind .. mich dünkt "zzz"!
Gruß Thorsten

P.S. ich bin froh, dass ich irritiert habe!

#14 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Inaktive 10.04.2013 11:42

Zitat von Bmeise im Beitrag #8
und ich finde: das goldenen Kalb macht sich auch nicht schlecht dazu.....

Unbedingt. Was ist davon zu halten, wenn "die" Juden 'ne Mauer bauen? Die nun wirklich niemand zu errichten die Absicht hat ...

#15 RE: im jüdischen Museum Berlin - subjektiv von Inaktive 10.04.2013 11:48

Zitat von Bmeise im Beitrag #9
(mein Vater war schon Atheist - sogar einer meine Großväter...aber zum Glück mit viel Toleranz gesegnet (sic!!)

Ich bin Agnostikerin – und mit viel Toleranz atheistisch Gläubigen gegenüber gesegnet.

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